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KGV lesen — was das Kurs-Gewinn-Verhältnis sagt (und wann nicht)
Was das KGV misst, wie du es vergleichst, und in welchen Fällen ein „günstiges“ oder „teures“ Multiple in die Irre führt.
Aktualisiert 2026-08-17
Was das KGV ist
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) teilt den Marktpreis durch den Gewinn je Aktie. Ein höheres Multiple heißt: der Markt zahlt mehr für jede Einheit ausgewiesenem Gewinn; ein niedrigeres heißt weniger.
Es ist eine relative Momentaufnahme, kein Urteil. Zwei Titel können dasselbe KGV haben und trotzdem völlig andere Geschäfte sein.
So wird es genutzt
- Gegen die eigene Historie — ist das Multiple heute gestreckt oder gestaucht gegenüber den letzten fünf Jahren?
- Gegen nahe Peers — gleiche Branche, ähnliches Wachstum und Kapitalintensität
- Gegen Wachstum — ein hohes KGV bei dauerhaft hohem Gewinnwachstum kann passen; ein hohes KGV bei schwindendem Wachstum ist eine andere Geschichte
Das Forward-KGV nutzt geschätzte künftige Gewinne, das Trailing-KGV die berichtete Historie. Sie beantworten verschiedene Fragen; wer sie mischt, vergleicht Äpfel mit Birnen.
Wann das KGV täuscht
- Zyklische Täler und Gipfel — in der Krise bricht der Gewinn ein, das KGV schießt hoch, obwohl die Aktie nicht „teuer“ sein muss
- Einmaleffekte — Verkauf, Abschreibung oder Steuereffekt können ein Jahr üppig oder düster aussehen lassen
- Gewinn vs. Cash — der Gewinn kann dem Cash vorauslaufen. Kombiniere das KGV mit Free Cashflow und operativem Cashflow vs. Gewinn
- Verluste — negativer Gewinn macht das KGV wertlos; andere Kennzahlen nutzen
- Aktienanzahl — Rückkäufe und Verwässerung ändern den Gewinn je Aktie, ohne das Geschäft zu ändern
Praktische Reihenfolge
- Gewinnqualität prüfen (wiederkehrend vs. einmalig).
- Trailing- und Forward-Multiples gegen Peers und die eigene Spanne legen.
- Fragen, welcher Wachstums- und Margenpfad das Multiple tragen müsste.
- ROIC / ROCE prüfen, damit du nicht für eine Maschine mit niedriger Rendite teuer bezahlst.
Nur Bildung — ein Multiple ist kein Kauf- oder Verkaufssignal.